10. Wittener Kolloquium – 10-jähriges Jubiläum

Das Denken von Heute bestimmt unser Leben von Morgen
Wie wollen wir leben in Kenntnis von Evolution und Nachhaltigkeit?

10. Wittener Kolloquium für Humanismus, Medizin und Philosophie
am Freitag 25. und Samstag 26. Juni 2021 an der Universität Witten/Herdecke

Die Evolution schreitet vermutlich heute schneller denn je zuvor voran, gerade auch im Hinblick auf den Menschen, denn noch nie in der Geschichte der Menschheit, bis auf einzelne meteorologische und klimatische Ereignisse, hat sich das Leben der Menschen in so wenigen Generationen so massiv verändert. Hinzu kommt die sehr neue Entdeckung, dass dem Menschen selbst für die Evolution des Planeten und für fast alle Spezies des Planeten eine gestalterische, verantwortliche Rolle zukommt. Der Holocaust hat gezeigt, wie die biologische Denkweise der Vorfahren zu den schlimmsten menschlichen Katastrophen führen kann. Unsere Klimakrise und die Pandemiekrise haben direkt mit unserem Umgang mit der Natur- mit Pflanzen und Tieren- zu tun, was wiederum unsere Art über die Natur zu denken widerspiegelt. Das Denken von Heute bestimmt das Leben von Morgen. Dieser Satz war noch nie so wahr wie heute.
Beim Wittener Kolloquium werden sich hochrangige Forscher über den Entwicklungsgedanken in der Biologie und in der Evolution des Menschen im Hinblick auf seine Autonomiebestrebungen und seine Zeitintegration äußern. Hieraus ergeben sich auch Gesichtspunkte für die Medizin, die Wirtschaft und die Pädagogik und die Art wie in der Erziehung mit Kindern über die Evolution gesprochen werden kann. Des Weiteren werden auch Praktiker zu Wort kommen, die hier und jetzt Wege veranlagen, um die Evolution maßgeblich zu beeinflussen. Beim Wittener Kolloquium haben Sie die Chance mitzudenken und denkend die Zukunft, die Evolution mitzugestalten.

Themenschwerpunkte der vergangenen Kolloquien lagen unter anderem auf der Beschäftigung mit dem Geist, der menschlichen Individualität und der menschlichen Freiheit. Es wurde deutlich, dass das Erlebnis der Freiheit und die Realität eines geistigen Individuums des Menschen mit den neurowissenschaftlichen Tatsachen kompatibel sind. Diese Erkenntnisse werden zu Beginn des 10. Kolloquiums zusammengefasst, um von dort ausgehend die Frage nach Evolution und Nachhaltigkeit zu erörtern.

Die jährlich stattfindenden Wittener Kolloquien für Humanismus, Medizin und Philosophie widmen sich der fachübergreifenden Diskussion von gesellschaftlich relevanten Grundfragen des Humanen im Kontext aktueller Entwicklungstendenzen.

Die Veranstaltung wird als Fortbildung für Ärzte, Psychologen, Pädagogen und andere Fachleute, sowie für Studierende ausgeschrieben.

Bisherige Wittener Kolloquien und Publikationen im Verlag Königshausen & Neumann:

  • 2020: Für eine humanistische Digitalisierung – Welche Menschen- und Weltbilder braucht die Zukunft?
  • 2019: »Intuition« Ihr Wesen, ihre Formen, ihre Ausbildung als Fähigkeit für Wissenschaft und Praxis
  • 2018: Freiheit?! Freiheitsbewusstsein – Neurowissenschaftliche Tatsachen – Gesellschaftliche Bedeutung
  • 2017: Was ist Leben? Aktuelles zu Wirkursache und Erkenntnis des Lebendigen
  • 2016: Bedeutung und Gefährdung der Sinne im digitalen Zeitalter
  • 2015: Der Mensch, ein Tier? Das Tier, ein Mensch?
  • 2014: Die menschliche Individualität – verloren und neu gesucht​
  • 2013: Was ist Geist?
  • 2012: Medizin und die Frage nach dem Menschen

Wissenschaftliche Leitung der Kolloquien: David Martin und Silke Schwarz – Für das 10. Kolloquium in Zusammenarbeit mit Bernd Rosslenbroich, Wolfgang Schad u.a.

Hintergrund zu den Kolloquien:

Die Wittener Kolloquien für Humanismus, Medizin und Philosophie sind im Jahr 2012 von Prof. Dr. Peter Heusser initiiert worden, um gesellschaftlich relevante Grundfragen und aktuelle Themen des „Humanen“ in einem interdisziplinären Kontext wissenschaftlich sowie öffentlich vermehrt ins Bewusstsein zu bringen. Der Grund dafür besteht darin, dass das spezifisch Menschliche am Menschen nicht zuletzt durch die Wissenschaft selbst erheblich gefährdet wird. Zwar ist der Naturwissenschaft der enorme materielle und technische Fortschritt der modernen Medizin und Zivilisation zu verdanken, aber gleichzeitig hat sie auch die reduktionistische Weltanschauung etabliert, die alle Prozesse im Menschen und in der Natur auf physikalische und chemische Ursachen zurückführen („reduzieren“) will.  So wird das Leben des Organismus als bloße Folge einer genetisch bedingten molekularbiologischen Maschinerie interpretiert, das Seelisch-Geistige des Menschen als reines Produkt neurophysiologischer Prozesse, und die menschliche Freiheit als eine Illusion. Die Folge davon ist eine zunehmende „Dehumanisierung“ des wissenschaftlichen Menschenbildes. Da dieses jedoch der Universitätsausbildung von ganzen Generationen von Ärzten, Biologen, Psychologen usw. zugrunde gelegt wird, wird auch die Berufspraxis von ihm geprägt, mit nachweislichen negativen Folgen für Ethik und Gesellschaft. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, das spezifische Humane in Wissenschaft und Praxis einer vertieften gesellschaftlichen Diskussion zuzuführen. Zu dieser möchte das Wittener Kolloquium einen Beitrag leisten.

Die Arbeitsweise des jährlich stattfindenden zweitägigen Kolloquiums besteht in einem öffentlichen akademischen, fachübergreifenden Diskurs. Dies wird zunächst in Einzelvorträgen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven beleuchtet und anschließend in einem ausführlichen Gespräch der Fachvertreter unter sich sowie mit dem anwesenden Publikum vertieft. Bisher haben sich akademische Repräsentanten der Mathematik, Physik, Molekularbiologie, Morphologie und Evolutionsbiologie, Embryologie, Neurobiologie, Primatologie, Medizin, Kunsttherapie, Medizintheorie und Medizinische Anthropologie, Kognitionswissenschaft, Psychologie, Psychosomatik, Psychiatrie, Erziehungswissenschaft und Pädagogik, Philosophie, Anthroposophie, Ethik und Theologie im Wittener Kolloquium zusammengefunden. Die Fachbeiträge werden anschließend publiziert, um sie für die weitere Öffentlichkeit verfügbar zu machen.

Ab 2019 haben Dr. med. Silke Schwarz und Prof. Dr. med. David Martin die Organisation und Leitung der Wittener Kolloquien übernommen, und eine Online-Plattform dafür eingerichtet.

Nachhaltigkeit

Diese Veranstaltung wird klimaneutral geplant,
dazu gehören vegetarische Bio-Kost aus der Region und ein CO2-Ausgleich der Reisekosten der Referenten.