11. Wittener Kolloquium

Medizin und Pädagogik

Schule ohne Noten – ist das gesund? 06.-07. Mai 2022

11. Wittener Kolloquium für Humanismus, Medizin und Philosophie
am Freitag 06. und Samstag 07. Mai 2022 an der Universität Witten/Herdecke

Kinder- und Jugendärzt*innen fragen sich immer wieder, wie (un)gesund Schulnoten sind. 

Schulnoten sind (bisher noch) das erste Scoring System mit dem Heranwachsende systematisch konfrontiert werden. Statistisch gesehen wird damit die Hälfte der Schüler potenziell gedemütigt und die anderen potenziell „gehochmütigt“. Dabei werden alle an extrinsische Motivation und Wettbewerb gewöhnt. Schüler*innen, die von Schulen ohne Noten zu Schulen mit Noten wechseln sind oft erstaunt über das Ausmaß der Notenorientiertheit ihrer Mitschüler*innen – als hätten viele verlernt, aus Liebe und Begeisterung heraus sich eingehend mit einer Materie zu beschäftigen. 

Andererseits birgt ein Schulsystem ohne Noten das Risiko, dass die Kinder und Jugendliche sich nicht adäquat einordnen können und es später schwer haben könnten, das benötigte Wissen oder Können aufzuholen. Einige sind der Meinung, dass ohne Notensystem Leistung nicht gefördert und anerkannt wird.

Für das Jahr 2030 ist in Deutschland folgendes prognostiziert worden:

„Die Bereitschaft, Aufgaben und Entscheidungen an Algorithmen abzugeben, ist bereits vorhanden und wird weiterwachsen. Der Mensch passt sich an.“

„Die Wertelandschaft im Bonus-System ist geprägt von einem digitalen Nervensystem und der Implementierung eines freiwilligen digitalen Punktesystems. Politische Ziele und persönliche Wertesets sind in diesem System nicht mehr trennscharf voneinander zu unterscheiden. Das digitale Nervensystem schafft eine umfassende Transparenz, welche die Lücke zwischen Werten und Verhalten verringert hat: Individuen können in der realen und virtuellen Welt eindeutig identifiziert werden, ihre Absichten können prognostiziert und ihre Handlungen transparent gemacht werden.“
(Deutschland im Jahr 2030, Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung)

Wie bereitet man Kinder am besten auf diese Zeit vor? Indem man sie möglichst früh mit Schulnoten konfrontiert, oder indem man ihnen der Raum gibt, herauszufinden, was sie eigentlich aus sich heraus wollen? Werden in Zukunft Menschen gebraucht, die intrinsisch motiviert und sinnorientiert und nicht vorwiegend auf Pseudoziele wir Noten, Punkte und Geld genordet sind? 

Könnte man die These vertreten, dass Schulnoten erst dann vergeben werden sollten, wenn die Lehrer bereit sind, sich auch selber benoten zu lassen? Da man Kinder nicht belasten möchte mit der Bürde, Erwachsene zu beurteilen in einer Zeit in der sie idealerweise Erwachsene einfach bewundern möchten, wäre das in höhere Klassen.

Könnte man die These vertreten, dass Schulnoten erst dann vergeben werden sollten, wenn das Selbstbewusstsein der Schüler durch die Anerkennung ihrer verschiedenen Begabungen (sozial, künstlerisch, praktisch, humoristisch, naturnah, etc… es gibt über 100 verschiedene Sorten von Intelligenz) so weit gereift ist, dass sie sich nicht mehr allzu sehr mit ihren Noten identifizieren?

Beim Wittener Kolloquium werden sich hochrangige Forscher über Schulnoten, Autonomie und Gesundheit äußern. Hier haben Sie die Chance mitzudenken und denkend die Zukunft mitzugestalten.

Themenschwerpunkte der vergangenen Kolloquien lagen unter anderem auf der Beschäftigung mit dem Geist, der menschlichen Individualität, der Evolution und der menschlichen Freiheit. Es wurde deutlich, dass das Erlebnis der Freiheit und die Realität eines geistigen Individuums des Menschen mit den neurowissenschaftlichen Tatsachen kompatibel sind. 

Die jährlich stattfindenden Wittener Kolloquien für Humanismus, Medizin und Philosophie widmen sich der fachübergreifenden Diskussion von gesellschaftlich relevanten Grundfragen des Humanen im Kontext aktueller Entwicklungstendenzen.

Die Veranstaltung wird als Fortbildung für Ärzte, Psychologen, Pädagogen und andere Fachleute, sowie für Studierende ausgeschrieben. 

Bisherige Wittener Kolloquien und Publikationen im Verlag Königshausen & Neumann:

2012: Medizin und die Frage nach dem Menschen

2013: Was ist Geist?

2014: Die menschliche Individualität – verloren und neu gesucht

2015: Der Mensch, ein Tier? Das Tier, ein Mensch?

2016: Bedeutung und Gefährdung der Sinne im digitalen Zeitalter

2017: Was ist Leben? Aktuelles zu Wirkursache und Erkenntnis des Lebendigen 

2018: Freiheit? Freiheitsbewusstsein– eurowissenschaftliche Tatsachen –gesellschaftliche Bedeutung
2019: Intuition. Ihr Wesen, ihre Formen, ihre Ausbildung als Fähigkeit für Wissenschaft und Praxis
2020: Für eine humanistische Digitalisierung: Welche Menschen- und Weltbilder braucht die Zukunft?

2021: Evolution – das Denken von Heute bestimmt das Leben von Morgen

Wissenschaftliche Leitung der Kolloquien: David Martin, Silke Schwarz – für das 11. Kolloquium in Zusammenarbeit mit … 

Vorläufiges Tagungsprogramm

Freitag, 06. Mai 2022

10.15-10.30

Schulnoten aus Kinder- und Schulärztlicher Sicht
Begrüßung, Vorstellung und Einführung in das Thema 
Univ.-Prof. Dr. med. David Martin, Dr. med. Silke Schwarz Universität Witten/Herdecke

10:30-11:10

Kinder sind Riesen. Spielen, um zu lernen, zu fühlen und zu leben (ZOOM-Vortrag)
André Stern, Frankreich

11:10-11:40

Diskussion

11:40-12:00

Pause

12:00-12:40

Modellschulen ohne Noten (ZOOM-Vortrag)
Thilo Engelhardt, Leiter der Waldparkschule Heidelberg

12:40-13.00

Diskussion

13.00-14.00

Mittagspause

14.00-14.40

Die Not mit den Noten! Warum man „Leistungen“ nicht mit Ziffern beurteilen sollte und Noten von Natur aus ungerecht sind. (ZOOM-Vortrag)

14.40-15.00

Diskussion

15.00-15.30

Pause

15.30-16.10

Leistungsbeurteilung, Lernerfolgsrückmeldung und das (meist vergebliche) Bemühen um Gerechtigkeit in der Schule und im Leben
Univ.-Prof. Dr. Jörg Ramseger, FU Berlin

16.10-16.30

Diskussion

16.30-17.00

Pause

17:00-17:40

Entscheidungskunst
Dr. David Hornemann v. Laer, Universität Witten/Herdecke

17.40-18.00

Diskussion
Moderation: Prof. Dr. med. David Martin und Dr. med. Silke Schwarz

18:00-19:00

Abendpause

19.00-19.40

Growing up without Grades – a US perspective (ZOOM-Vortrag)
Heather Shumaker, Autorin, Michigan, USA

19.40-20.00

Diskussion

Samstag, 07. Mai 2022

09.30-10.00

Schulnoten und Motivation 
Univ.-Prof. Dr. med. David Martin
Hören wir auf, Unvergleichbares zu vergleichen
Dr. med. Silke Schwarz

10.00-10.40

Schule ohne Noten – ist das gesund?
Prof. Dr. Horst Zeinz, WWU Münster

10.40-11.00

Diskussion

11.00-11.30

Pause

11:30-12:10

Noten erleben – Berichte aus der Praxis
Sabine Czerny, Lehrerin und Buchautorin

12:10-12:30

Diskussion

12:30-12:50

Das Notensystem in China

Dr. Martin Woesler und Yi Song, Universität Witten/Herdecke

12:50-14:00

Wie sollte künftig mit Schulnoten umgegangen werden?
Synopse im Plenum und Schlussdiskussion
Moderation: David Martin, Silke Schwarz

Programm & Organisatorisches

Das 11. Wittener Kolloquium findet im großen Veranstaltungssaal im Erdgeschoss des Holzbaus an der Alfred-Herrhausen-Str. 48 in Witten statt.

Teilnahmegebühr: 150 € / ermäßigt 90 € / Studierende der UW/H frei

Ermäßigungen gelten für Angestellte der UW/H und des Gemeinschaftskrankenhauses

Empfänger:
Universität Witten/Herdecke
Bank: Sparkasse Witten
IBAN: DE55 4525 0035 0000 0109 00
BIC: WELADED1WTN
Stichwort: Kostenstelle 2122720, 11. Wittener Kolloquium Schulnoten

Kontakt:

Gerhard Kienle Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin Tagungsbüro Frau Nikola Schulze Tel: 02330 / 62 47 61, Mail: nikola.schulze@uni-wh.de